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 Originaltext aus "Das Schloß in Königsberg/Pr. und seine Sammlungen" 1933



Königsberger Schloss

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Baugeschichte

Rundgang

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Das Schloß in Königsberg/Pr. und seine Sammlungen



                             B E S U C H S Z E I T E N
                         für alle Sammlungen im Schloß:


An SONN- UND FEIERTAGEN............................................ 10-13 Uhr

An WOCHENTAGEN:


1. Ordensräume (Eingang 10) und Kgl. Gemächer (Eingang 2)


    1.April bis 30.September: täglich....................................... 8-16 Uhr
    Oktober, November, Februar, März: täglich...................... 8-15 Uhr
    Dezember und Januar: täglich........................................... 8-14 Uhr


2. Kunstsammlungen der Stadt Königsberg (Eingang 6a, I.Stockw.)


    1.April bis 30.Septbr.:         Dienstag-Freitag täglich........ 10-16 Uhr
                                               Sonnabend.............................10-13 Uhr
                                               Montag....................................geschlossen

    1.Oktober bis 31.März:       Dienstag-Sonnabend täglich..10-14 Uhr
                                               Montag....................................geschlossen


3. Prussia-Museum (Eingang 6a, Erdgeschoß und II.Stockwerk)


    1.Juni bis 31.August:          Dienstag-Freitag täglich.........10-16 Uhr
                                               Sonnabend.............................10-13 Uhr
                                               Montag....................................geschlossen

    1.Septbr. bis 30.Mai:          Dienstag-Freitag täglich.........10-14 Uhr
                                               Sonnabend.............................10-13 Uhr
                                               Montag....................................geschlossen


 Baugeschichte



Nachdem 1255, durch Eingreifen des Königs Ottokar von Böhmen, das Samland unterjocht war, übernahm es der Deutsche Orden, auf einer waldbedeckten Höhe am Pregel die Zwingburg Königsberg zu bauen. Anfangs teilte der Orden den Bergkomplex mit dem Bischof von Samland, 1263 gab jedoch dieser das Gelände auf, um sich auf der Insel Kneiphof niederzulassen. Die Burg, anfangs Sitz eines Ordenskomturs, wuchs an Bedeutung, als sie 1312 Sitz des Ordensmarschalls, des obersten Heerführers nach dem Hochmeister, und schließlich 1457 Residenz der Hochmeister selbst wurde.


Das Schloß in Königsberg/Pr. und seine Sammlungen


1. Bauabschnitt unter dem Orden.

Die Befestigungs- und Burgbauten des Ordens begannen bald nach der Besitzergreifung des Bergplateaus im Jahre 1255. Als vorläufiger Schutz wurde nach dem Pregel zu (heute Reichsbankgebäude) eine Erdwallburg erbaut, die auch später noch den Charakter einer Vorburg behielt. Gleichzeitig wurde aber schon mit dem Ausbau der Hauptburg begonnen, die das ungefähre Ausmaß des heutigen Schlosses hatte. Schon wenige Jahre nach dem Baubeginn war die Burg so wehrhaft, daß sie im großen Preußenaufstand (um 1260) einer dreijährigen Belagerung standhielt. Aber wohl erst nach Niederschlagung dieses Aufstandes begann man mit dem Ausbau der doppelten Ringmauer, die durch neun Wehrtürme unterbrochen wurde. Von diesen Türmen ist einer an der Nordseite noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Eine Tonplatteninschrift besagt, daß er unter Dietrich v. Liedelau (1278-1292 Vogt im Samland) erbaut worden ist.

Die Fachwerkhäuser des 13. Jahrh. wurden im Laufe des 14. Jahrh. durch Steinhäuser ersetzt. Einen großen Teil der Baumaße nahm das 1926/27 durch Professor Lahrs in seinen Grundrissen festgestellte viereckige, um einen Hof gelagerte Konventshaus in Anspruch, das, im Beginn des 14. Jahrh. erbaut, im westlichen Teil des Schlosses an Stelle des heutigen Westflügels lag, aber sehr weit in den heutigen Schloßhof hineingriff. Nach der Altstadtseite zu, in Richtung des heutigen Fritz-Tschierse-Platzes, sprang der von allen Ordensbauten bekannte Danzker, die Abortanlage des Konventshauses, vor. Die übrigen Bauten, Wirtschaftsgebäude, Stallungen usw., lehnten sich von der Innenseite des Hofes aus an die Ringmauer an. Deutlich zeigt sich diese Art der Bauanlage noch im Nordflügel, der im Innern kürzlich seinem ursprünglichen Zustand gemäß wiederhergestellt werden konnte.

Den Raum des heutigen Oberlandesgerichts nahm im 14. Jahrh. das Kornhaus ein, daran schloß sich nach Westen hin das Wohnhaus für den Ordensmarschall, der Remter, der vor dem alten Wehrturm der Nordseite lag, und schließlich das Kranken- und Siechenhaus der Ordensherren, die Firmarie, mit einer Kapelle. Um 1380 wurde schließlich als Glocken- und Wartturm der heutige Schloßturm an der Südwestecke des Konventshauses errichtet. Mit der Vollendung dieses Schloßturmes, der bis zum Ansatz der Ecktürmchen in seiner mittelalterlichen Gestalt noch heute erhalten ist, ist die Baugeschichte der Ordenszeit im wesentlichen beendet. In der gegen Ausgang des 14. Jahrh. fertiggestellten Form scheint die Königsberger Ordensburg unberührt geblieben zu sein, bis sie 1454 im Städteaufstand dem Ansturm der Königsberger Bürger erlag, die die Südmauer mit ihren Wehrtürmen und auch wohl Teile des Konventshauses niederrissen. 1457 siedelte der Hochmeister nach dem Verlust der Marienburg nach Königsberg über und bezog hier die Wohnung des Obermarschalls, die also jetzt zur Hochmeisterwohnung wurde. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. wurde dann die zerstörte Südmauer wiederhergestellt und mit halbrunden Türmen zur Verteidigung versehen.

2. Bauabschnitt unter Herzog Albrecht.

Albrecht, Markgraf zu Brandenburg, der von 1511-1525 Hochmeister war, verwandelte den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum, und damit gleichzeitig führte er die Umwandlung der Ordensburg in das Wohnschloß der Herzöge von Preußen durch. Sein Baumeister war Friedrich Nußdörfer, ein Baseler von Geburt, vom Nürnberger Rat dem Herzog warm empfohlen. Nußdörfer hat die ersten Bauentwürfe der Herzogsbauten geliefert und auch selbst, wenigstens Teile des Ostflügels, wie insbesondere das 1532 datierte Albrechttor, erbaut, bis ihn ein unsteter Wandertrieb von Königsberg fortzog. Mehr technisch eingestellte Baumeister, wie Christian Hoffmann und Christof Römer, haben dann seine Bauideen verwirklicht, die Ostfront vollendet und den ganzen Südflügel bis 1569 erbaut.

Ostfront und Südfront des Königsberger Schlosses geben auch heute noch ein klares Bild dieser herzoglichen Bauzeit, nur daß dieses durch den späteren Zwischenbau unter Friedrich I. in der Südostecke unterbrochen ist. In ihrer schlichten Anspruchslosigkeit atmen diese Albrechtteile die herbe Strenge aufbauender Notjahre. Kühle Mauerquadern sind kubisch aufgetürmt und von steilen Dachmassen überlagert. Spärlich ist die sonst in reicheren Gegenden in der Renaissancezeit üppig wuchernde Ornamentik. Nur der Osteingang des Schlosses mit den einfachen Renaissanceformen aus Pilastern, hohen Architraven und einem verbindenen Segmentbogen zeigt besonders in seinen kühn über Eck gestellten Erkern Nürnberger Herkunft eine spielerische Auflockerung der im übrigen schweren Baumasse. Die eintönige Hofseite der Südfront wird durch zwei Türumrahmungen angenehm belebt, von denen die eine mit einem 1551 datierten Porträtrelief des Herzogs, mit ihren beiden Karyatiden und ihrer üppigen wohl den 60er Jahren des 16. Jahrh. angehörenden Rollwerkbekrönung besonders reich ist (Eingang 5).

3. Bauabschnitt unter Georg Friedrich von Ansbach.

Markgraf Georg Friedrich v.Ansbach, der 1578 als Regent für den geisteskranken Sohn des Herzogs Albrecht, Albrecht Friedrich, das Herzogtum Preußen übernahm, richtete sich anfangs in der Gegend des Haberturms (Nordostecke) neue Räumlichkeiten ein. Zu diesem Zwecke mußte das Zeughaus, das hier seit Herzog Albrecht untergebracht war, geräumt werden. Als sich dann aber mit den 80er Jahren des 16. Jahrh. das Drängen der Stände zu einem Neubau des Zeughauses steigerte, griff Georg Friedrich diese Bauidee auf und verband sie mit der Idee, dem Königsberger Schloß das noch zu geben, was ihm fehlte: eine Kirche und einen großen Fest- und Empfangssaal, um so das Wohnschloß der Herzöge zum Repräsentationshaus des Herzogtums Preußen zu steigern.

Damit nahm der Bau des in der Gesamtbebauung noch fehlenden Westflügels (an Stelle des alten Konventshauses) greifbare Formen an. Er wurde 1584 von Blasius Berwart, einem aus Stuttgart kommenden Baumeister, begonnen, nach dessen Abberufung nach Süddeutschland (1586) von dem Steinmetzmeister Michel bis 1587 und dann endlich von dem Zimmermeister Hans Wismar fortgesetzt und 1593 vollendet. So entstand in etwa einem Jahrzehnt jener von zwei mächtigen Rundtürmen begrenzte, an der Stadtseite durch sieben, der Hofseite fünf abgetreppte Steinpfeiler gegliederte und von einem hohen Satteldach überdeckte Westflügel. Geschoßweise liegen hier übereinander: Mächtige, tonnengewölbte Kellereien, die eigentlichen mit schwerem Gebälk bedeckten weiten Räume des Zeughauses im Erdgeschoß, darüber eine weiträumige, heutige zweischiffige niedriggehaltene Kirche, darüber, durch den ganzen Flügel von Süden nach Norden sich ziehend, der riesige Festsaal (sog. Moskowitersaal) und endlich ursprünglich über diesem Saal, der ehemals flach gedeckt war, noch die Vorratsböden (Kornkammer). An der Hofseite des Westflügels befindet sich, von einem Altan aus sichtbar, ein schönes Sandsteinportal, das dem Danziger von dem Block zugeschrieben wird.

4. Bauabschnitt unter Friedrich I.

Nach geringfügigen inneren Umbauten unter dem Großen Kurfürsten setzte erst wieder mit dem beginnenden 18. Jahrh. eine umfassende Bauzeit ein. Friedrich I. trug sich nach seiner Krönung mit der Absicht, das Königsberger Schloß in einen repräsentativen Palastbau der Könige von Preußen umzubauen. Auf Grund der bis 1705 entstandenen Pläne seines Baumeisters Schultheiß von Unfried sollte der ganze Ostflügel niedergelegt werden und an seiner Stelle ein dreigeschossiger, mit einem Zwischengeschoß versehener Bau, der einen betonten Mitteltrakt mit Triumphbogeneingang und zwei vorgezogene Seitenflügel aufwies, erstehen. Der Umbau wurde 1705 begonnen und bis 1712 zu einem Drittel (dem südlichen Teil) durchgeführt, dann aber, als Friedrich I. starb, von seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm I. jählings abgebrochen und nie wieder fortgesetzt.

5. Bauabschnitt im 19. Jahrhundert.

Wohl um die steingewordene Architekturgeschichte, die uns heute das Königsberger Schloß bietet, abzurunden, hat sich das beginnende 19. Jahrh. eine kleine Ergänzung am Schlosse erlaubt: 1810 wurde der östliche Teil des Nordflügels abgrissen und auf den Fundamenten des Kornhauses das Oberlandesgericht nach dem Plan des Geheimen Oberbaurats Simon in Berlin unter der Bauleitung des Geheimrats Müller erbaut. Schließlich gab in den 60er Jahren noch der Erbauer der Königsberger Universität, Friedrich August Stüler, dem Schloßturm seine heutige Gestalt, indem er die alte welsche Haube, die er besaß, durch die jetzige gotisierende Turmspitze meinte ersetzen zu müssen.

Das Königsberger Schloß, das bis zum Ende des Krieges im wesentlichen als Behördenhaus benutzt wurde, hat seit den 20er Jahren unseres Jahrhunderts durch Freigabe zahlreicher Räume, die kulturellen Aufgaben zugeführt wurden, eine andere und neue Bedeutung im geistigen Leben der Stadt Königsberg erlangt. Es ist eine historische Erinnerungsstätte geworden, in der sich in Baugeschichte, historischen Räumen und öffentlichen Sammlungen die künstlerische, kulturelle und historische Entwicklung Ostpreußens widerspiegelt. Staat, Provinz und Stadt berühren sich hier in gemeinsamer Aufgabe; ihre berufenen Spitzenvertreter waren daher auch in den ganzen Jahren die Träger der Neugestaltung. Das Ziel einer äußeren räumlichen Zusammenfassung aller Teile stand von vornherein fest und kann heute im großen und ganzen als erreicht betrachtet werden. Diese Einheit in ihrer Vielgestaltigkeit will auch der vorliegende Führer zum Ausdruck bringen; er soll zugleich das vielfach äußerlich Trennende, das aus vielfältigen sachlichen Gründen gewahrt werden muß, überbrücken.



 Rundgang



1. ORDENSRÄUME MIT DEN SCHAUSAMMLUNGEN DER STAATS- UND UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK

Raum I: Vorhalle, ursprünglich durch Mittelpfeiler gestützt, zweischiffig geteilt, Wände mit Inschriften und Wappenzeichnungen, großer Steinpfeiler mit Kapitell. Vitrine: Panzer des Herzogs Albrecht, 1557.

Raum 2 und 3: Wohnung des Hochmeisters (vor 1457 des Obermarschalls), 14. Jahrh. Hier wohnten nacheinander die letzten sechs Hochmeister, ebenso noch Herzog Albrecht bis etwa 1533. Fußboden nach vorgefundenen glasierten Fliesen wiederhergestellt. Am Fenster (Raum 2) nach den Kellerräumen führende Wendeltreppe. Über der Tür Bruchstücke des Wappens Friedrichs v. Meißen. An der Ostwand Reste einer Wandmalerei (Verkündigung oder Madonnenanbetung). Beachtenswert die Konsolsteine mit tierischen und menschlichen Darstellungen. Im Gewölbebogen der Fensternische (Raum 3) Wappen von Oberräten, die hier saßen, als der Raum bald nach 1530 als Oberratsstube eingerichtet wurde.

Raum 4: Der große Remter des Hochmeisters, 15. Jahrh. Zusammen mit dem westlich anstoßenden Raum 17 (Archivraum) ursprünglich ein großer gewölbter Raum, in dem ein Teil des alten Wehrturmes der Ringmauer hineinragt. Die Südseite dieses mit Inschriftenband aus glasierten Steinen versehenen Turmes zieht sich von Raum 4 über Raum 17 nach Raum 8.

Raum 5: Treppe, wohl im 15. Jahrh. durchgelegt, um für den Hochmeister einen Weg zum Sommerremter (Raum 8) zu schaffen.

Raum 6: Turmraum, ehemalige Silberkammer der Hochmeister mit Ausgangstür, ursprünglich nach Norden führend, zum vermutlich hier liegenden Nebendanzker. Im Raum Fundstücke von den Grabungen im Schloßhof (1926) und aus den ehemaligen Arichvräumen.

Raum 7: Büßerzelle mit Maueröffnung zum Durchblick auf den Altar der Kapelle.

Raum 8: Ehemalige Ordenskapelle, später Sommerremter des Hochmeisters und dann herzogliche Kanzlei. An der Ostwand Spuren von Wandmalereien, links Christus als Schmerzensmann (Messe des Heiligen Gregor?), rechts Maria und Johannes. Zwischen ihnen hing an der Wand vermutlich ein plastisches Kruzifix, vor dem der Altar stand. Rechts am Fenster Wasserstein für ein Handbecken.

Raum 9: Vorsteherzimmer der Kanzlei.

Raum I0: Die Ordensfirmarie oder das Siechenhaus. 1. Hälfte 14. Jahrh., erbaut als langgestreckter, an die Wehrmauer angelehnter Bau, ursprünglich bis zum jetzigen Nordturm reichend.

Raum II-I4: Herzogliche Räume, die zum Westflügel (1584-1594) gehören. Einfache Balkendecken mit Stuckrosetten. Im Turmraum (Raum 14) sind historische Erinnerungsstücke aus der Zeit der Herzöge von Preußen (staatlicher Besitz) ausgestellt: u.a. ein Holzrelief von Hans Schenck, gen. Scheuzlich, (1530) und zwei Alabasterbüsten (1550). Im Mittelpunkt des Raumes die Silberbibliothek des Herzogs Albrecht aus dem Besitz der Königsberger Staats- und Universitätsbibliothek, die den Abschluß der Schausammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek bildet. Diese, die hervorragende Inkunabeln, Miniaturen, Drucke und Einbände sowie Dokumente zur politischen und geistigen Geschichte Ostpreußens u.a. aufzuweisen haben, sind in Einzelvitrinen über fast sämtliche Ordensräume des Nordflügels in historisch stilistischer Aufstellung verteilt. (Sonderführer über diese wertvolle Sammlung ist in Vorbereitung.) Von Raum 14 zurück durch die Firmarie (Raum 10) nach

Raum I5: Kreuzgang, der sich vor den Kammern des Siechenhauses an der Hofseite entlang zieht und durch eine noch vorhandene Treppe unmittelbar mit dem Schloßhof verbunden war.

Raum I6: Ehemalige Küche, kurz vor dem jetzigen Durchgang zur Kapelle links.

Raum I7: Das alte Archiv zwischen Kapelle (Raum 18) und großem Remter (Raum 4), ursprünglich ein Teil dieses Remters und wohl erst um 1540 von diesem zum besonderen Archivraum abgetrennt. Die bis an die Decke reichenden Schränke mit den mit schmiedeeisernen Griffen versehenen Schubläden (z.T. alte Beschriftung) sind die ursprünglichen, schon im 16. Jahrh. benutzten.

2. DIE SCHLOSSKIRCHE

Den Hauptteil des Westflügels nimmt seit 1593 die Schloßkirche ein. Sie war ursprünglich einschiffig gestaltet und mit einer Holzdecke abgedeckt, die mit Stuckaturen versehen war. Aber bald, nachdem sie der Öffentlichkeit übergeben war, zeigte sich, daß die Spannung im Bau zu groß war. So mußte man sich schon im Jahre 1600 entschließen, die Holzkonstruktionen durch Steinpfeiler mit doppeltem Kreuzgewölbe von Stein zu ersetzen. 1608 konnte die Kirche ihrer Bestimmung in der neuen Form wiedergegeben werden. Dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrh. entstammen auch die reichen Zwickelmalereien zwischen den vergoldeten Gewölberippen. Wesentliche Veränderungen hat die Kirche erst erfahren, als sie 1701 zur Krönungskirche der preußischen Könige erhoben wurde. Bei der Krönung am 18. Januar 1701 hatte Eosander v. Göthe die dekorative Ausstattung übernommen. Nach der Krönung führte dann Schultheiß v. Unfried von 1704 - 1710 die innere Neugestaltung der Kirche als preußische Krönungskirche durch. Altar, Kanzel, Empore und Krönungsloge wurden im Barockstil eingebaut und schließlich noch 1731/32 die Orgel errichtet. Seit der Gründung des Schwarzen-Adler-Ordens (1701) nehmen die Wände der Schloßkirche die Wappenschilder der Mitglieder des Ordens auf.

3. DIE SAMMLUNGEN DER PROVINZ OSTPREUSSEN UND DER STADT KÖNIGSBERG, EINGANG 6a

In Teilen des West- und Ostflügels sowie im ganzen Südflügel sind die Sammlungen der Provinz Ostpreußen und der Stadt Königsberg untergebracht. Eingang 6a, neben dem Schloßturm. Das Prussia-Museum, ostpreußisches Provinzialmuseum, früher im Besitz der Altertumsgesellschaft Prussia, 1925 von der Provinzialverwaltung übernommen, hat als Ziel und Aufgabe, die Entwicklung der provinziellen Kultur und Geschichte von den ältesten Zeiten bis in die letzte Vergangenheit museal zur Darstellung zu bringen. Die Kunstsammlungen der Stadt Königsberg (seit 1921 städtisch) vereinigen die Gemäldegalerie (Königsberger Kunstverein seit 1831) und das Kunstgewerbemuseum (Gründung des gewerblichen Zentralvereins). Sie geben einen Einblick in die künstlerische Kultur Ostpreußens.

PRUSSIA - MUSEUM, VORGESCHICHTLICHE ABTEILUNG EINGANG 6a, ERDGESCHOSS

Die Schausammlung gibt einen leicht faßlichen Überblick über das reichhaltige Material an ostpreußischen Bodenfunden und ist zeitlich und landschaftlich gegliedert.

Raum I: Steinzeit (10 000 bis 2000 v. Chr.). Neben den älteren Knochen- und Horngeräten stehen die jüngeren Steinwerkzeuge. Die bisher älteste Siedlungsstelle aus dem Zedmarbruch bei Astrawischken, Kreis Darkehmen, zeichnet sich durch Gerätschaften von Hirschgeweih aus. die Keramik der Steinzeit weist verschiedene Formen auf: frühneolitische Grübchenkeramik, Kammkeramik, Tiefstich- und Schnurkeramik. Besonders die Kurische Nehrung hat reichliches Material geliefert. Zwei Skelette (2000 v. Chr.) entstammen den Dörfern Kaup unweit Wiskiauten bei Cranz. Der steinzeitliche Schmuck aus Bernstein (z.T. Nachbildungen) rührt aus dem Kurischen Haff bei Schwarzort.

Raum 2: Bronze- und frühe Eisenzeit (2. und 1. Jahrtausend v. Chr.), fast durchweg von Brandbestattungen herrührende Urnen; meist angewandt Hügelgräber mit Steinsetzung im Innern, daneben Flachgräber ohne Hügel. Bemerkenswert die Verwahrfunde, Sammeldepots von Neufabrikaten und Altmaterial. Der letzte Schrank enthält Grabinventar aus dem Samland, das bereits der Spät-Latène-Zeit angehört. Charakteristisch doppelkonische Gefäße. Zum ersten Male tritt die Fibel (Gewandhefte) auf.

Raum 3: Frührömische Kaiserzeit (1.-2. Jahrh. nach Chr.). Funde der Spät-Latène-Zeit aus dem Soldauer-Neidenburger Gebiet (vandalische Gruppe). Besonders reiches Zentrum der Kultur ist das Samland. Im Weichsel-Passarge-Gebiet breitete sich damals die germanisch-gotische Kultur aus, deren Einfluß sich über ganz Ostpreußen erstreckte.

Raum 4: Spätrömische Kaiserzeit (3.-4. Jahrh. nach Chr.). Bemerkenswert die Urnen des masurischen (Galinder) und samländisch-natangischen Gebietes (Eimerurnen). Handelsbeziehungen mit den Römern haben römische Importwaren nach Ostpreußen gelangen lassen: Münzen, Gläser, Waffen u.a.

Raum 5: Völkerwanderungszeit (5.-8. Jahrh. nach Chr.). Die Kultur Masurens, germanisch gefärbt, weist besonders reichhaltige und wertvolle Funde auf, nur hier haben die sog. Fenster- und Lochurnen ihre Verbreitung gefunden. Im samländisch-natangischen Gebiet leben die Eimerurnen weiter fort, sie werden allmählich von flaschenförmigen Beigefäßen abgelöst. Wertvollstes Dokument dieser Zeit ist die goldene Spange von Hammersdorf, Kreis Heiligenbeil (5. Jahrh.). Im gleichen Raum Grabgut der spätheidnischen Zeit (6.-13. Jahrh.). Die Funde an Trensen, Steigbügeln u.a. entstammen Reitergräbern mit Pferdebestattung. Die Keramik ist zum großen Teil auf der Drehscheibe hergestellt. Von den beiden Skeletten stammt das eine aus einem Frauengrab des Wikinger Friedhofes von Wiskiauten bei Cranz. Einen kostbaren Schatz stellt der Silberschmuck einer sudauischen Frau dar, der bei Skomenten, Kreis Lyck, gefunden wurde.

Raum 6: Ausklang des ostpreußischen Heidentums (bis 15. Jahrh.). Heidnische Brandbestattung wird durch christliches Körperbegräbnis verdrängt. Brakteaten, Ringspangen mit gotischen Inschriften, Miniaturschlüssel u.a. deuten auf christliche Zeit hin. Beachtenswert die Funde aus dem schwedischen Wikinger Friedhof von Wiskiauten (9.-11. Jahrh.). Im gleichen Raum ordenszeitliche Gebrauchsgefäße, Hansaschüsseln u.a.

KUNSTSAMMLUNGEN DER STADT KÖNIGSBERG, EINGANG 6a, I. GESCHOSS:

Das Ausstellungsmaterial (Malerei, Plastik und Werkkunst vom 14. Jahrh. bis zur Gegenwart) ist stilistisch-historisch in Querschnitten gegliedert. Das Ostpreußisch-Bodenständige ist als Teil des Ganzen aufgefaßt und nur dort isoliert, wo die Materie es verlangte.

I. Geschoß. Deutsche Kunst und deutsche künstlerische Kultur vom Mittelalter bis zur Biedermeierzeit (Raum 1-17).

Raum I und 2: Mittelalter. Im 12. und 14. Jahrh. umspannte die Küste des nordöstlichen europäischen Festlandes ein Ring von Städten, die eine Handelsgemeinschaft bildeten. Gleichzeitig flocht der Orden über das Land ein Netz von Burgen, die Keimzellen geistiger und kultureller Eroberung wurden. Ordensherren und Bischöfe und Städte wandten sich frühzeitig der Pflege künstlerisch-kultureller Dinge zu. Die beiden Räume enthalten Gemälde des 14. Jahrh., Plastiken, Altäre, Keramik und Münzen der Ordenszeit bis 1525.

Raum 3 und 5: Renaissance. Herzog Albrecht führte die Renaissance in Ostpreußen ein. In der Durchführung des Protestantismus und in der Schaffung einer geisteswissenschaftlichen deutschen Kultur sah er die Möglichkeit einer Stützung und Kräftigung des Deutschtums im Nordosten. Albrechts Ideen wurden von Markgraf Georg Friedrich v. Ansbach fortgesetzt, sie reiften schließlich im Bürgertum der Städte des 17. und 18. Jahrh., ihre ertragreichste Ernte. Die Räume 3-5 geben einen Überblick über den Reichtum damaliger ostpreußischer Werkskunst mit ihren Silberarbeiten, Emailglasscheiben, Stickereien, Schnitzereien u.a. Gemälde von Lukas Cranach, Chrispin Herrant und Anton Möller.

Raum 6 und 7: Barock. Nach der Knorpelwerkperiode (Raum 5) leitet die Ornamentik mit den 80er Jahren zum norddeutschen Akanthusbarock über. Schweres Mobiliar, das ebenso schwere keramische Material sind charakteristisch für diese Zeiten. In Raum 7 sind die Bernsteinarbeiten des 17. und 18. Jahrh. untergebracht, an denen der Nordosten besonders reich gewesen ist. Kästchen, Kleinplastiken, Pokale, Bestecke, Kirchengeräte. Gegenüber den Fenstern Kabinettschrank aus Bernstein zwischen zwei Brüsseler Gobelins mit Wappen des Bischofs v. Zaluski vom Ermland. Großer blau bemalter Fayence-Ofen aus dem Schlosse Allenstein.

Raum 8: Rokoko. An die Stelle der Fayence tritt im 18. Jahrh. das Porzellan. Erzeugnisse besonders der Manufakturen Meißen und Berlin fanden Eingang nach Ostpreußen. In Fenstervitrinen geschnittene Gläser verschiedener Herkunft. Schmiedeeisernes Gitter von 1783. Rokokomobiliar.

Raum 9 und 10: Ostpreußische Werkkunst im 18. Jahrh. Die Folge der stilistischen Gruppierung des Sammlungsmaterials ist an dieser Stelle unterbrochen und ein Raum allein der Reichhaltigkeit Königsberger Werkkunst (Schmiedeeisen, Silber, Uhren, Fayencen und Steingut der Königsberger Manufakturen von Ehrenreich und der Brüder Collin) gewidmet. Durch eine Barocktreppe von 1699, die an dieser Stelle immer eingebaut war, gelangt man zu einem im Erdgeschoß liegenden kleinen Raum, der einige wenige Beispiele ostpreußischer Volkskunst zeigt.

Raum 11-17: Klassizismus, Empire und Biedermeierzeit. Ostpreußisches Mobiliar des ausgehenden 18. Jahrh. (schwedischer Import). Empire: Mobiliar, Silber, Berliner und Meißener Porzellane. Die ganze Abteilung der ersten 17 Räume schließt dann mit zwei Biedermeierräumen, die uns mit dem 1829 für die Familie Kemke, Königsberg, angefertigten Mobiliar einen charakteristischen Einblick in die ostpreußische Wohnkultur des beginnenden 19. Jahrh. gewähren.

II. Geschoß. Zwischengeschoß: Ausländisches Kunstgewerbe.

Raum 18 und 19: Italienische Majoliken, nordische Fayencen, französisches und russisches Porzellan und vor allen Dingen englisches Steingut. Dem holländischen Kunstgewerbe ist ein besonderer Raum gewidmet. Lebhafte Handelsbeziehungen haben eine starke Einfuhr holländischen Kunstgutes nach Ostpreußen zur Folge gehabt. Delfter Fayencen.

III. Geschoß. Obergeschoß: Gemäldegalerie (Raum 20 bis 38).

Raum 20-22: Holländische Malerei. Die meisten Bilder dieser Abteilung stammen aus der Privatsammlung des Königsberger Oberbürgermeisters Theodor v. Hippel (1741-1796). Raum 20: Bilder von Lukas van Leyden, Peter Breughel (Höllenbreughel), Schule des Jost van Cleve. Raum 21: Frans Hals, Peter Paul Rubens, Jordaens. Raum 22: David Teniers d.J., Marseus van Schrieck, Jean van Goyen.

Raum 23-25: Malerei der italienischen Renaissance. Die Bilder dieser Abteilung sind Leihgaben der Staatlichen Gemäldegalerie, Berlin, und gelangten 1837 in die Königsberger Sammlungen. Sie geben an Hand von Schulbildern einen Überblick über die Entwicklung der italienischen Malerei von der Giotto-Schule bis zu den späten Oberitalienern.

Raum 26: Deutsche Malerei des 17. und 18. Jahrh. Bilder von Lingelbach, Dietrich, Netscher, Denner und dem Königsberger Michael Willmann.

Raum 27-35: Deutsche Malerei des 19. Jahrh. Die Schaffung der Galerie des 19. Jahrh., die mit diesen Räumen beginnt, verdankt Königsberg der rührigen Tätigkeit des 1832 gegründeten Königsberger Kunstvereins.

Raum 28: Bilder von Caspar David Friedrich, Blechen, Gärtner.

Raum 29: Waldmüller, Hasenclever.

Raum 30 bis 34: Defregger, Lenbach, Knaus.

Raum 35: Trübner, Uhde, Steffek, Scherres, Neide und Graef.

Raum 36: Lovis-Corinth-Gedächtnissaal. Dem in Tapiau am 21.7.1858 geborenen Maler Lovis Corinth, der am 17.7.1925 in Zantvoort in Holland gestorben ist, ist als dem bedeutensten ostpreußischen Maler ein besonderer Ehrenraum gewidmet. Edwin Scharff hat die Gesichtszüge des Meisters in einer Bronzeplastik festgehalten. 15 Ölgemälde geben die Entwicklung über das malerische Werk Corinths bis 1916.

Raum 37 und 38: Deutscher Impressionismus und Nachimpressionismus. Die beiden letzten Räume wollen neben dem Corinthsaal einen Einblick geben in die vielgestaltige Malwelt der Zeit um 1900 bis zur Gegenwart, wobei neben den Meistern von allgemeiner deutscher Bedeutung die ostpreußischen Künstler ihre besondere Berücksichtigung finden. Bilder von Liebermann, Modersohn-Becker, Slevogt, Rößler, Brockhusen, Claus, Dettmann, Jernberg; von jüngeren: Nolde, Müller, Schmidt-Rottluff, Pechstein, Hofer, Dix; von Einheimischen: Burmann, Meseck, Neumann, Degner, Bischoff, Partikel, Kossol, Schnell, Kolm. Plastiken: von Cauer, Brachert u.a.

PRUSSIA-MUSEUM, EINGANG 6a, II. GESCHOSS:

Im Vorraum des II. Geschosses und in den von hier aus zugänglichen Teilen des West- und Südflügels sind die übrigen Abteilungen des Prussia-Museums untergebracht.

Vorraum: Bevölkerungs- und Abstimmungsabteilung; sie besteht aus Karten und statistischen Tabellen, die über die vorgeschichtlichen Bevölkerungsverhältnisse Aufklärung verschaffen. Aus ihnen geht klar das gegenseitige Verhältnis des germanischen Volkes zu dem des Altpreußenlandes hervor. Das Gebiet war von slawischer Besiedlung frei, die Karten, die sich auf die beiden Abstimmungsgebiete Marienwerder und Masuren beziehen, klären über die Sprachen und nationalen Verhältnisse vor und nach dem Kriege auf. Auch das Korridor-Gebiet hat weitgehendste Beücksichtigung gefunden.

Moskowitersaal: Ostpreußische Ruhmeshalle. Der Saal ist 1594 eingeweiht worden und trug ursprünglich eine flache Decke. Die jetzige Tonnendecke stammt aus dem Jahre 1887. Der Saal ist 82 Meter lang und 18 Meter breit. Sein Name kommt vielleicht daher, daß hier einst moskowitische Botschaften empfangen wurden. Er dient heute als Schauraum und Erinnerungsstätte ostpreußischer Kriegs- und Militärgeschichte. In den Nischen der Fenster die Fahnen der alten ostpreußischen Regimenter. Modelle zeigen die Entwicklung der Wehrarchitektur in Ostpreußen, besonders beachtenswert das Modell der Marienburg. Waffen aller Art zeigen die Entwicklung der Schutz- und Trutzwaffen von ältester Zeit ab. Hervorzuheben: vergoldeter Eisenhelm aus Friedrichsberg bei Königsberg (um 1200). Waffen, Uniformen und Erinnerungsstücke geben einen Überblick über ostpreußische Zeiten der Not und Erhebung. Auf der Westseite des Saales (in Vitrinen) Uniformen und Waffen der ostpreußischen Regimenter aus der Zeit vor dem Weltkriege und während des Krieges. Im Vorraum des Moskowitersaales führt eine Treppe zum der Herzogszeit entstammenden, sog.

Jagdsaal: Volkskundliche Abteilung. Stuckdecke 1588 von Hans Windrauch ausgeführt. Der Saal enthält vornehmlich Ausstattungsstücke des ostpreußischen Großbauern und Kleinstadtbürgers aus dem 18. und Anfang des 19. Jahrh. Die Gegenstände entstammen hauptsächlich dem oberländischen und ermländischen Gebiet. An den Jagdsaal anschließend im runden

Turmzimmer: Innungen und Handwerk. An den Wänden Innungsfahnen des 19. Jahrh., Zunftläden, Zunftpokale und sonstiges Innungsgerät aus Zinn und Silber. Geräte und Erzeugnisse ostpreußischer Handwerkstätigkeit des 17.-19. Jahrh. Meister- und Lehrbriefe gebürtiger Ostpreußen. In der Mitte des Raumes sog. Pfostenstuhl. Verbindungsgang: kulturhistorisch wertvolle Ölbilder des Oberlehrers Gisevius, Tilsit (1798-1880), die über Tracht, Sitte und Brauch der Bewohner des Memelgebietes Aufschluß geben,

Räume hinter dem Krönungsgang: Volkskundliche Abteilung (2. Teil), landschaftlich geordnet.

Raum I: Oberland, streng in der Schnitzverzierung und Bemalung, einfache Männer- und Frauentracht. Ausgestorbene Heimindustrien, wie Strohflechtarbeiten. Wachsbildnerei, Seidenbildstickerei.

Raum 2: Ermland. Reich bemalte Küchen- und Kleiderschränke, farbenfreudige Neujahrsschreiben.

Raum 3: Masuren. Ärmlicher und flacher Lebensstil, anspruchslose Formen in der Keramik und Bemalung von Möbeln.

Raum 4: Memelland. Lebendige Bemalung in großer Variation, heimische Stick- und Webarbeiten, Brettchenweberei u.a.

4. DIE EHEMALIGEN KÖNIGLICHEN GEMÄCHER
EINGANG 2

Im zweiten Stockwerk des Ostflügels liegen die eigentlichen Wohnräume und die kleineren Repräsentationsräume des Königsberger Schlosses. Hier wohnten die Herzöge von Preußen, hier stiegen ihre Nachfolger, die Kurfürsten von Brandenburg und die Könige von Preußen, ab, wenn sie vorübergehend in Königsberg weilten. Auch noch bis 1918 wurden die Wohnräume zeitweise von Angehörigen der Kaiserlichen Familie benutzt.

Fliesensaal: Ehemaliger Speisesaal des Herzogs Albrecht Friedrich, Decke mit reicher Holzvertäfelung, Anfang 17. Jahrh. Leinwandmalereien vermutlich von Gabriel Witzel. Dem Eingang gegenüber Thronsessel Friedrichs I. von Preußen. Bilder von Peter Paul Rubens, Michael Willmann, Mathias Czwiczik u.a.

Räume der Königin Luise: Kürzlich eingerichtet mit Möbeln, die die Königin Luise z.T. 1806/07 in Luisenwahl benutzt hatte, und die ihr bei ihrer Ankunft von Königsberger Bürgern zur Verfügung gestellt waren. Die anschließenden Räume sind die

ehemalig kronprinzliche Wohnung mit Ankleideraum und Schlafraum, der der Erkerraum über dem Albrechttor ist. Reiche Intarsiadecke von 1579, an dieser Stelle 1904 eingebaut.

Sogenanntes Geburtszimmer Friedrichs I.: Der kleine, kaum 10 Quadratmeter große Raum wurde gegen Mitte des 16. Jahrh. unter Herzog Albrecht, vermutlich nach den Plänen seines künstlerischen Mitarbeiters Jacob Bink von einheimischen Tischlern hergestellt. Wände und Decken mit Holzvertäfelung versehen, ornamental und figürlich geschmückt. Gegenüber dem Fenster Sandsteinkamin, vermutlich aus der Werkstatt des Antwerpener Bildhauers Cornelius Floris. Das Geburtszimmer gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Königsbergs.

Speisezimmer: Decke und Wandvertäfelung (zum Teil alt) aus Altdorf in der Schweiz. Sandsteinkamin mit weiblichen Trägerfiguren und Wappen des Großen Kurfürsten. Nach dem Schreib- und Arbeitszimmer

das Wohnzimmer: Reiche Ledertapete, 2. Hälfte 17. Jahrh., holzgetäfelte Decke 17. Jahrh. Bilder von Hans Willing u.a. Kabinettschränke mit reicher Lackmalerei, holländisch um 1700.

In den folgenden Räumen Biedermeier- u.a. Möbel aus den Arbeitszimmern Friedrich Wilhelms III., Kaiser Wilhelms I. und der Kaiserin Augusta. Neugotischer Babelsberger Schrank mit Erinnerungen, darunter Potsdamer Deckelpokal von der Krönung 1701.

Ehemaliges Ankleidezimmer des Kaisers: Rokokomobiliar, Gemälde italienischer Meister der Renaissance.

Ehemals Kaiserliches Schlafzimmer: Großer japanischer Kabinettschrank, Gemälde von Begas, Rittig und Bender. Raum mit Möbeln aus dem Arbeitszimmer Friedrich Wilhelms IV., Biedermeier. An den Wänden Stiche und Gemälde, darunter von Keßler.

Fahnen- und Standartenzimmer: Danziger Schränke (um 1680), Prunksofa im Barockstil (um 1850). Bildnisse von Moltke und anderen Heerführern. Über die Kaisertreppe zur

Kammer des Schwarzen Adlerordens: Ledertapete, Freskosupraporten mit romantischen Landschaften und Ruinen, 18. Jahrh. Rokokodecke mit symbolischen Figuren. Am Deckengesims um den ganzen Raum herumgezogen Relieffries mit Kette und Stern des Schwarzen Adlerordens. Rokokokamin. Die an die Adlerkammer anschließenden Räume waren kaiserliche Arbeits-, Schlaf- und Ankleideräume, darunter der Eckraum das

Arbeitszimmer des Kaisers. Glasmalereien in neuerer Fassung, Reliefportrait Friedrichs des Großen in Marmor, Gemälde "Die Marienkirche in Danzig" von Gregorovius. Im kleinen Nebenraum ausgezeichnetes Bildnis der Maria von Ungarn (1526), vermutlich von Bernhard Striegel. Dann durch das

Audienzzimmer: mit Barockkamin und Barockmöbeln zum

Thronsaal: An den Wänden die Bildnisse der preußischen Könige von Friedrich I. bis Kaiser Friedrich III. Vor dem Thronsessel mit Thronbaldachin Teppich mit Darstellung der ostpreußischen Pferdezucht.

Ahnensaal: Reichgemalte Rokokodecke mit Freilichtfiguren hinter gemalter Balustrade. Unter dem Gesims auf Leinwand gemalter Stammbaum der Hohenzollern, gemalt von dem Cranachschüler Hans Henneberger, der 1593 herzoglich preußischer Hofmaler wurde und 1601 starb. An den Wänden Bildnisse der Herzöge von Preußen und der Kurfürsten von Brandenburg.

Spiegelsaal: Als Supraporten Bildnisse des Großen Kurfürsten, der Prinzessin von Oranien, der Eltern und der Schwestern Friedrichs des Großen.

Ehemalig Kaiserlicher Salon: Rokokomobiliar, an den Wänden Bildnisse.

Arbeitszimmer: Bilder von Moucheron, Antoine Pesne, Ternite u.a.

5. DAS BLUTGERICHT

Unter den historischen Räumen des Nordflügels liegt in geräumigen Kellergeschossen untergebracht, das weit über Ostpreußens Grenzen hinaus bekannte Blutgericht, ein Kind der Romantik. Im Jahre 1827 wurden diese Weinstuben im Schloß, die seitdem den Namen "Blutgericht" tragen (Erklärung nicht eindeutig), eingerichtet. Wilhelm Balthasar Schindelmeißer, ein Salzburger, der der Begründer des Weingeschäfts ist, war der erste Pächter. Seitdem umranken Sagen und Legenden diese weltentrückten, dem Tageslicht entzogenen Gewölberäume aus der Ordenszeit, und der Historiker wird sich hüten, den sträflichen Versuch zu unternehmen, hier Dichtung von Wahrheit trennen zu wollen oder gar historische und kunsthistorische Datierungsversuche zu wagen!



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