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Originaltext aus "DAS SCHÖNE DEUTSCHLAND LANDSCHAFT - KUNST UND KULTUR"
"Der Preußische Landrücken" von 1930

Flagge von Ostpreußen

Der letzte Ausläufer des Baltischen Höhenzuges auf deutschem Boden ist der Preußische Landrücken, der sich hier zu beträchtlichen Höhen erhebt, in der Kernsdorfer Höhe bei Osterode über 300 m erreicht und fast die gleiche Höhe auch in der Umgebung von Goldap aufweist. Der breite Landrücken ist eine ausgesprochene Wasserscheide; zahlreiche Seen zeichnen ihn aus, die entweder zerstreut liegen oder in Gruppen angeordnet sind.

Besonders seenreich ist der südliche Teil, die Landschaft Masuren, wo auch als größter der Spirdingsee mit 106 qkm und nördlich davon der schöne Mauersee liegt. Masuren gehört mit seinen Moränenzügen, seinen Rinnenseen und langen Tälern, seinen unermeßlichen Wäldern zu den schönsten Teilen Norddeutschlands. Nördlich davon liegt die Ostbaltische Vorstufe, eine Grundmoränenlandschaft mit geringen Niveauunterschieden, der noch weiter nördlich die Tertiärscholle des Samlandes vorgelagert ist. Dieses ganze Land ist typisches Ackerbaugebiet, das besonders in den breiten Flußniederungen recht fruchtbar ist. Näher zur Küste überwiegt das Weideland und damit die Viehzucht. Leider wird durch das kontinentale Klima die Nutzung des Bodens beeinträchtigt; der Frühling beginnt erst sehr spät, und häufig treten die ersten Nachtfröste auf, bevor die Ernte eingebracht ist.

Die herrschende Besitzform ist der Großgrundbesitz. Deshalb gibt es verhältnismäßig wenig Dörfer, deshalb sind die Verkehrsverhältnisse teilweise noch recht ungünstig. Zwei Hauptlinien verbinden Berlin mit dem Osten; die nördliche führt über Landsberg, Kreuz, Schneidemühl, durch den Polnischen Korridor und weiter über Elbing nach Königsberg und Tilsit. Die südliche verläuft über Thorn nach Osterode, Allenstein, Insterburg; sie durchzieht das Gebiet der großen Seen.

Seit der Einrichtung des Polnischen Korridors hat der Seeverkehr stark zugenommen; von Swinemünde aus fahren Personen- und Frachtdampfer nach Danzig und den Häfen Ostpreußens.

Die Städte Ostpreußens sind meist landwirtschaftliche Märkte. Wichtig ist Allenstein, das den Verkehr der verschienden Richtungen sammelt und ein Zentrum für die weitere Umgebung darstellt. Hier ist das großartige Schloß mit dem prächtigen Remter eine Sehenswürdigkeit. Einige Bedeutung haben auch die Städte Gumbinnen, Insterburg und Wehlau. Im westpreußischen Gebiet sind Marienburg mit dem großmächtigen Schloß der Ordensritter, die einst den Osten germanisierten, und das betriebsame Elbing mit Maschinenfabriken und Werften zu nennen.

Von der Weichsel bis zur Memel schließen sich die folgenden Landschaften aneinander: Pomeranien, Hockerland, Pogesanien, Ermeland, Natangen, Samland und Masuren. Für den Fremdenverkehr kommen nur die beiden letzteren in Frage. Das Samland werden wir zugleich mit dem Küstenstrich im nächsten Abschnitt besuchen; Masuren, das Land der großen Schlachten, läßt sich besonders gut unter Benutzung der kleinen Motorboote und Schiffe bereisen. Dabei lernen wir all die zahlreichen kleinen Landstädte kennen, deren Namen uns von den ersten Kämpfen des Weltkrieges her bekannt sind, bevor Hindenburg die Russen aus dem Lande trieb. Masuren, ein Seen- und Waldidyll im deutschen Osten, sollte viel mehr durchwandert werden, nicht nur wegen seiner landschaftlichen Schönheiten, sondern auch wegen seiner Bedeutung als Vorposten deutscher Kultur gegen das Slawentum.


Originaltext aus "DAS SCHÖNE DEUTSCHLAND LANDSCHAFT - KUNST UND KULTUR"
Auszug aus "Die Ostseeküste" von 1930

Östlich von Danzig breitet sich das 850 qkm große Frische Haff aus, das immer mehr versandet und das gegen die Danziger Bucht durch die Frische Nehrung abgegrenzt wird, die nur bei Pillau den Zugang zum Haff freigibt. Diese Pforte wurde aber erst 1510 durch eine Sturmflut gewaltsam geschaffen, während andere im Laufe der Zeiten durch den Sand verschlossen wurden. Die Frische Nehrung ist ein nur 1 km breites Sandgebiet mit kümmerlichem Kiefernbestand; ihre Dünen sind in letzter Zeit künstlich festgelegt worden.

An der Innenküste liegt Kadinen, ein dem früheren Kaiser gehörendes Rittergut und Gestüt, ferner Frauenburg, dessen Domherr der große Nikolaus Kopernikus gewesen ist. In einem Vorsprung der Küste finden sich die Reste des Ordensschlosses Balga, hier biegt der Strand nach Nordosten um, und unweit der Mündung des Pregels liegt hier Ostpreußens Hauptstadt Königsberg, die Stadt Kants, der geistige Mittelpunkt Ostpreußens.

Nördlich davon liegt die hohe Platte des Samlandes, die im Brüster Ort weit nach Norden vorspringt. Alle Erscheinungen der Grundmoränenlandschaft treffen wir hier wieder an: ein welliges Hügelland, in das Bäche tiefe Rinnen eingeschnitten haben, das mit schönem Laubwald bekleidet ist und jäh zum Meeresspiegel abfällt. Eine Reihe kleiner, aber sehr schöner Badeorte liegt hier am Strand oder im Wald: Tenkitten, Palmnicken an der Westseite, Rauschen, Neukuhren und Cranz an der Nordseite.

Das Samland ist berühmt durch seinen Bernstein, das erhärtete Harz vorweltlicher Kiefern, die hier während der Tertiärzeit grünten. Durch ungeheure Katastrophen müssen die Wälder vernichtet worden sein; das aus den Stammwunden herabfließende Harz schloß Blüten, Blättchen sowie die mannigfaltigsten Insekten ein und bewahrte deren Formen, so daß wir über die Kleinwelt der Vorwelt auf das genaueste unterrichtet sind.

Bei Cranz setzt die Kurische Nehrung an, die das gewaltige Kurische Haff mit 1600 qkm abschließt. Das Küstengebiet wird von großen Wäldern und flachen, sumpfigen Niederungen bedeckt; im Ibenhorster Forst kommt noch der Elch auf freier Wildbahn vor. Die Bevölkerung besteht hier großenteils aus Litauern, die manch alte Sitten und Gebräuche haben. Am Ruß verläuft die neue Grenze; jenseits liegt das Memelland.

Die Kurische Nehrung ist die größte und schönste Nehrung. Fast 100 km lang und zwischen 1/2 und 4 km breit zieht sich das mit hohen Dünenbergen erfüllte Sandgebiet hin; nur an einigen Stellen von Feldern und Wiesen unterbrochen. Der Wald ist durch den Flugsand der wandernden Dünen fast ganz vernichtet worden, Baumskelette ragen bisweilen aus der kahlen Einöde hervor. Auch Dörfer sind dem Sand zum Opfer gefallen; bei Kunzen erreichte 1800 die Düne den Ort und deckte Kirche und Häuser zu, nur wenige Reste zeugen hier von der ehemaligen Siedlung. Durch künstliche Befestigung sucht man die Dünen zur Ruhe zu bringen; man legt Strauchwerk als ersten Halt an, pflanzt langwurzelige Gräser, um den Boden zu binden und hat auf diese Weise in zäher Arbeit schon viel gewonnen. Weite Bezirke aber werden noch von typischen Wanderdünen eingenommen; der Wind jagd den Sand die Steilseiten hinauf und läßt ihn windabgewendet wieder fallen: so ist ein ewiges Weiterschreiten zu beobachten, und wenn nicht von den Kämmen der Dünenberge aus die Meereswellen sichtbar wären, könnte man sich in die Sahara versetzt denken.

Die Bewohner dieser Nehrung sind teils reine Deutsche, teils Deutsch-Litauer. Weltberühmt ist hier in der Einsamkeit Rossitten geworden, die große Vogelwarte, auf der der Vogelzug beobachtet und jedem gefangenen Vogel ein Kontrollring angeheftet wird. So ist der Name der Vogelwarte bis weit nach Afrika getragen worden, und durch planmäßige Beobachtung konnte manches über die Wanderstraßen der Vögel festgestellt werden.

Die Kurische Nehrung läßt nur einen flachen Zugang zum Meer frei, dem gegenüber die Stadt Memel liegt. Früher ging von hier die deutsche Küste noch ein Stückchen weiter, um beim Dörfchen Nimmersatt die russische Grenze zu erreichen.


Originaltext aus "Deutschland ein Handbuch" von 1937

Ostpreußen, östlichste Provinz Preußens zwischen Weichsel und Memelstrom, mit dem östlichsten und nördlichsten Grenzpunkt des Reichs, ist seit 1920 durch den "Korridor" vom Reich abgetrennt. Es grenzt mit 608.8 km an Polen, mit 232.2 km an Litauen bzw. das unter lit. Oberhoheit gestellte Memelgebiet, hat 2 333 300 Einwohner auf rund 37 000 qkm und steht der Bevölkerungsdichte nach (63,1 E. je qkm) an drittletzter Stelle vor Mecklenburg und der Grenzmark Posen-Westpreußen. Ostpreußen ist vorwiegend Agrarland, aber keineswegs ein Land der Großagrarier, als das es vielfach gilt. Fast die Hälfte aller Landwirtschaftsbetriebe war 1933 nicht größer als 5-20 ha; 56.9 von Hundert aller Einwohner leben in Gemeinden unter 2000 Einwohner. Hochentwickelt ist Ostpreußens Viehzucht, berühmt seine Pferdezucht (Trakehnen!). Mit 1254 Zuchthengsten stand es Mai 1936 weitaus an erster Stelle im Reich vor Bayern mit nur 701 Hengsten. Der durch Versailles geschaffenen wirtschaftlichen und politischen Sonderlage trägt der Erich-Koch-Plan (maßvolle Industrialisierung, Steigerung der Bevölkerungsdichte usw.) Rechnung.

Die Geschichte Ostpreußens ist unlöslich mit der des Deutschen Ritterordens verknüpft, der ab 1230 das ursprünglich germanische Land dem Deutschtum wiedergewann. 1525 wurde der Ordensstaat Herzogtum, 1618 dieses mit Kur-Brandenburg vereinigt. 1701 wurde das Herzogtum Preußen Königreich. Die lange Reihe verwüstender Kriege schloß bisher der Weltkrieg (Schlacht bei Tannenberg, Winterschlacht in Masuren u. a. m.), der 35 Städte und 1500 Dörfer vernichtete. Versailles brachte schmerzliche Gebietsverluste (Korridor, Danzig, Memel). Weitere verhinderte die Abstimmung von 1920, die in Ostpreußen 97.5 v. H., in Westpreußen 93 v. H. deutscher Stimmen ergab. Der östliche Rest der Provinz Westpreußen kam als Reg.-Bez. Westpreußen zu Ostpreußen.

Die Landschaft ist im Stromgebiet von Memel und Pregel flach, sonst buntbewegt. Die Eiszeit formte Höhen bis zu 313 m und hinterließ über 1200 Seen, die im Verein mit riesigen Forsten (Johannisburger Heide, Rominter Heide, Rothebuder Forst) Landschaftsbilder von bezwingender Schönheit bieten. Die meist 6-700jährigen Städte sind fast ausnahmslos Gründungen des Ordens; in vielen blieben beachtliche Burg- und Dombauten erhalten. Die Bevölkerung zählt zu ihren Ahnen alle deutschen Stämme, dazu Holländer, Franzosen, Schweizer, Salzburger, die im Laufe der Jahrhunderte angesiedelt wurden. Weitaus am schwächsten sind der polnische und litauische Einschlag. In den letzten Jahren ist Ostpreußen als Reiseziel beliebt. Sondertarife der Reichsbahn und der "Seedienst Ostpreußen" erleichtern wesentlich den Verkehr.



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Agnes Miegel   Originaltexte
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